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An Klaus Z. und Barbara M., 12. März 1993

Lieber Klaus und liebe Barbara! Ihr habt schon lange nicht mehr so recht von mir gehört. Heute abend, wo's ausnahmsweise mal ganz still und ruhig ist, will ich das versäumte nachholen. Ein Stück Gebäck, das - zusammen mit einer Tasse Kaffee - helfen soll, meine Lebensgeister neu in Gang zu bringen, behindert das Schreiben etwas -, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

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An Alle oder niemanden, Short Mountain Sanctuary, Anfang Februar 1997

Hier müsste nun Dein Name stehen: Ruth, Madelaine, Helmar oder Hermann oder Martha oder Rosi oder Hanspeter oder ... eben Dein Name, denn Du gehörst mit zu den Vielen, die sich im Laufe der Zeit in mir eingenistet haben und mit denen ich mich so gerne und so oft unterhalte - meist ohne dass Du es merkst, nur so für mich, während ich auf einen Bus warte oder meinen obligaten Morgenkaffee braue oder auf dem Klo sitze und der Dinge harre, die da kommen wollten. Ja, zu diesen lieben Menschen meines Innern gehörst auch Du! Drum: Sei mir gegrüsst - auch Du - jetzt, zu dieser nächtlichen Stunde!

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An Andres B., Basel, 11. Dezember 1998

Lieber Andres! Fast ist Dein Geburtstag wieder einmal an mir vorbeigeschlichen, ohne dass ich es gemerkt habe. Vor einigen Tagen habe ich noch daran gedacht, aber dann plötzlich ist schon wieder der 11. Dezember, und ich erwische den 10. Gerade noch so an einem Zipfelchen, ehe er anfängt, ganz Vergangenheit zu werden!

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An Andres B., San Diego, Kalifornien, 19. Februar 1997

Lieber Andres! Inzwischen bin ich schon fast zwei Monate unterwegs. Ich war - nach 14-tägiger Seereise - eine Woche bei Mariann und Bill zwei Zugstunden nördlich von New York City; danach war ich eine Woche in New York City selbst und dann fast drei Wochen in Tennessee, in jener schwulen Landkommune, von der ich schon in der Schweiz gehört hatte, und die das erste grössere Ziel meiner Reise sein sollte. Von dort bin ich vor zehn Tagen in Richtung Houston, Texas, weitergereist, wo ich Dennis und Shelley und ihre beiden Kinder (6 und 8 jährig) besucht habe.

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An Andres H., New York City, 19. Jan. 1997

Lieber Andres! Ein melancholischer, langsamer Sonntag geht seinem Ende entgegen. Ich sitze im hintersten Zimmer  von Cathrins "Railroad appartement" (vier Zimmer hintereinander, ohne Gang, wie ein Eisenbahnzug) auf einem wackligen Stuhl -, einen letzten Nachgeschmack der eben vertilgten Pizza im Mund und das Geräusch der Feuerwehr im Ohr, die den Broadway hinunterbraust, um irgendwo irgendwas in Ordnung zu bringen!

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An Angelika O., 13. Januar 1992

Wie herrlich war's doch auf der Petersinsel,

wie frühlingshaft und warm,

und wie romantisch doch die Pferde grasten

vor unsres Zimmer weiten Fenstern!

Dir war zwar, was im Bett geschah -

so schien es jedenfalls - recht fade,

doch war es immerhin!

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An Angelika O., Ende November 1990

Liebe Angelika! Du hast lang nichts von mir gehört. Give me shit for it! - Mach mir Vorwürfe! - Ja, ja! Schlagt mich doch, schlagt mich, ich hab's verdient! So meine Stimmung zur Zeit, zumindest ein Teil derselben: nicht gut genug sein, zu versagen, schuld zu sein an allem, was schief läuft um mich her ...

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An Angelika O., im März 1991

Liebe Angelika! Sollst Du? - Ich weiss es nicht! - Manchmal wogt's ja wohl im Busen, und es fühlt sich an, als ob man muss. Dann wiederum - weshalb! Weshalb eine Welt retten, die von Dir vielleicht gar nicht gerettet werden will, sich vielleicht auch durchaus resistent erweist Deinen Rettungsversuchen gegenüber. - Angelika die Volksred­nerin, die Alle mitreisst, ein Jubel, ein Hurra-Rufen und sich befreit fühlen und dem Glücke nah. Die bergenden Arme, die feste Brust, die brummende Stimme, die and're Geborgenheit, nicht durch aufschwung erreicht sondern durch Absenkung, nicht durch Anspannung, sondern durch Abspannung der Kräfte und des Willens.

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An Anja M., Basel, im August 1989

Liebe Anja! Vielen Dank für Deinen letzten Brief, den Urs mir soeben vorgelesen hat. - Was an meinem müden, verqueren Nachtprodukt ernst gemeint, und was nur so dahingesagt, gesponnen, gejuxt ist, das ist auch für mich ganz schwierig zu sagen. Bedeutung kann ich natürlich in jeden Satz hineinsehen, da wir von so viel "Bedeutung", so vielen Gedanken, Gefühlen, Situationen, Bezügen erfüllt und umgeben sind. Jeder noch so blödsinnige Satz könnte etwas bedeuten, zu jedem könnte ich Dir etwas wirklich ernsthaftes sagen, auch wenn ich ihn damals, vor zwei oder drei Wochen wirklich bloss so hingeschrieben habe. (Und dies war bei den meisten Sätzen jenes Nicht-Briefes der Fall, da mich, wie das Wiesel im berühmten Bachgeriesel mehr der Klang der Worte und weniger ihr Inhalt faszinierte). Dass Dein Brief ernst gemeint war und ist, ziemlich ernst von A bis Z, das habe ich dagegen stark und ohne Zweifel gespürt.

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An Anja M., im Dezember 1989

Liebe Anja! Auf den diversen Papieren, auf denen ich immer aufschreibe, was ich in absehbarer Zeit noch tun muss oder will, steht auch "an Anja schreiben". Dabei empfinde ich dies nicht als "Muss", sondern im Grunde als Freude, denn über Deine letzten Briefe und Karten habe ich mich immer sehr gefreut: da klang so viel "neue", für mich mich neue und sehr "schö­ne" Anja durch -, eine eher verwirrte, fragende Anja, eine die nachdenkt, die nicht verletzen, aber doch nicht auch zu allem ja und Amen sagen möchte, die Stellung beziehen möchte ohne hart oder engstirnig oder ungeduldig oder humorlos zu sein oder als hart, humorlos etc. empfunden zu werden.

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An Armin X., 10. Juli 1990

Lieber Armin! Es würde Dir gefallen, mit mir in Briefkontakt zu bleiben bzw. zu treten. Ja. Eine spannende Idee! Aber wie anfangen? ... Ich wüsste ja gern einiges von Dir, wenn du also schreiben magst, dann erzähl mal frisch drauf los: ein wenig von dem, wie Du lebst, auch wo, wie Du Deine Zeit verbringst, auch was Du arbeitest oder (vielleicht noch interessanter), was Du gerne arbeiten würdest und wie du gerne leben würdest, wenn du könntest, wie du möchtest ... Ich selbst würde mit dir sehr gern ein Stück weit über dein / mein Schwulsein ins Gespräch oder ins Geschreibe kommen - natür­lich nicht nur, aber doch auch sehr! -, denn mit dieser Sache fühle ich mich, das schrieb ich ja schon, als ich mich für's Männertreffen anmelden wollte, tatsächlich ziemlich isoliert, in diesem Bereich habe ich ziemlich zu kämpfen, um innerlich am Leben zu bleiben und allmählich mehr Boden zu gewinnen für mein Dasein als Mann, der gern mit Männern ist.

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An Barbara M., Portland, Oregon, USA, 8. Mai 1997

O carissima Barbara! Ich sitze auf dem Balkon von Peters Haus und geniesse die abendliche Ruhe. 20 Meter weiter unten gurgelt ein Bach, ein paar Vögel sind noch am Singen und weit weg tutet irgendetwas, was mich an den hiesigen Stadtverkehr erinnert.

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An Bertrand S., 14.12.1993

Lieber Bertrand! Hab Dank für Deine Karte von vor ein paar Wochen. Bertrand -, es gibt mich noch. Dass ich mich anlässlich meines Besuches in Witten Mitte November nicht mehr bei Dir gemeldet habe, ist lediglich Ausdruck der ziemlich überfrachteten Tage damals. Ich nahm an, dass Du nicht auf mich warten würdest, wenn ich mich nicht noch einmal mit Euch in Verbindung setze, um etwas Genaueres zu vereinbaren. Dennoch hätte ich Dich natürlich über mein Nichtkommen unterrichten können und müssen.

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An Bertrand S., 6.9.1993

Bertrand, caro mio! Verlegenes Lachen, Betroffenheit, Beruhigung und Nachdenken hast Du in mir ge­weckt durch Deine Reaktion auf unser Zeitungsprojekt! Du bist jedenfalls ein Mensch, der noch eigene Gedanken hat und nicht einfach mitklappert im allgemei­nen Überlebensgeklappere. Das an sich ist schon mal sehr erfrischend und wohltu­end, auch wenn die Gedanken selber, das, was Du sagst, tatsächlich eine unbequeme Heraus-Forderung sind. Mensch, Bertrand, will ich denn "heraus"? Ich spüre so viel Zögern, soviel Ängstlichkeit in mir, dass ich dazu nicht so einfach und leicht "ja" sagen kann.

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An Denise F., Ojai, Kalifornien, 9. März 1997

Liebe Denise! Seit zweieinhalb Monaten bin ich nun unterwegs, und seit einer Woche bin ich hier in Ojai - etwa eine  Autostunde nördlich von Los Angeles. Es ist Sonntagmachmittag, und ich sitze vor meinem Hüttchen  im Schatten einer - Eiche? - sagen wir Eiche. Auf dem Tisch liegt das Kassettengerät mit meiner Lektüre - einigen zeitgeschichtlichen und weltanschaulichen Aufsätzen von Hermann Hesse (1974 unter dem Titel "Mein Glaube" im Exlibrisverlag erschienen).  Daneben der Termoskrug mit Kaffee, meine Blindenschriftmaschine und ein Ordner mit Papieren und Notizen. Du siehst: Ich kreiere mir hier meine vertraute "Gelehrtenumgebung". Offenbar will meine Selle nicht nur das "Neue", das grosse Abenteuer, sondern sie will auch - immer wieder und als Ausgleich - das alt vertraute!

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An Dennis S., März 1992

Dear Dennis! Thanks for your last letter with all the news about you, your life-situation, your plans etc.. Yes, I will be in Geneva; I just got some documentation about the conference today. As is the case with most everything I do these days I don't quite know what I should do there or why I'm going, but I will go. I seem to be involved in too many things at once at present, so that I don't find the peace and quiet to really get to the heart of something.

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An die Familie, die Freunde und Freundinnen, Bekannte und Verwandte, Ende Dezember 1995

Ihr Lieben alle - Freund und innen Be- und Verkannte, Ab und zu und nicht Verwandte! Bruder Thomas und Familie haben dieses Jahres erstmals "anstelle einer 'relativ' nichtssagenden Weihnachtskarte" - die Ihr von mir ohnehin nicht bekämt! - einen Rundbrief mit einem Jahresrückblick verschickt ... - Die Sache hat mich interes­siert, und jetzt sitz ich schon seit ein paar Tagen da und denke darüber nach, ob vielleicht auch ich soll oder ob ich lieber nicht oder schon aber anders soll. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, denn natürlich muss Alles immer erst gründlich abgewogen werden, bis man dann - wenn man des Abwägens müde geworden ist - endlich irgend einen Entscheid fasst -, meist natürlich nicht den richtigen oder den, den man für richtig hält, sondern halt gerade den, der in dem Augen­blick der Erschöpfung gerade oben aufschwang bei der Alles in Allem doch recht anstrengenden Abwägerei. Man drückt dann also den roten Knopf oder drückt ihn halt nicht, gerade wie's so kommt.

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An die Freie Volksschule Solothurn, 7. Oktober 1997

an alle,  Mädchen und Buben, Frauen und Männer der Freien Volksschule Solothurn! Wann war das bloss, als ich bei Euch war? Vor etwa einem Jahr? Ja, ich glaube. Es war ein schöner, sonniger Herbsttag. Stimmt's? Wir haben in Eurem Versammlungszimmer gesessen und über das Blindsein geredet. Später habt Ihr mir dann ein dickes Couvert mit Post geschickt!  Viele Sachen, die ich mit den Fingern lesen und "anschauen" konnte!

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An Elisabeth und Peter S., im Juni 1991

Da scheint der Wurm drin gewesen zu sein: zuerst hab ich keine Zeit, dann sind Sie weg, dann bin ich wieder fort, dann ... und die Sablés warten derweil geduldig im Tiefkühlfach und fragen sich, wo ihr Esser bleibt. Wenn der Wurm inzwischen bloss nicht auch in sie übergesiedelt ist.

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An Eric J., Basel, 26. September 1997

Cher Eric, mein lieber Freund! Wir haben schon wieder recht lange nicht mehr voneinander gehört. In Deinem Fall bin ich da immer etwas skeptisch. Ob Du wohl wieder im Nebel wanderst -, das Leben wie schwere Ketten hinter Dir herschleppend -, bedrückt und traurig und  kraftlos? Das Leben - ein Gefängnis oder, wie es in der Bibel heisst, ein Jammertal ... Dabei hat man uns doch suggeriert, dass es etwas schönes sei, etwas Tolles, etwas, in dem es immer voran und aufwärts geht, wenn man sich nur einsetzt und anstrengt! - Immer voran und aufwärts - - - Und wenn es dann nicht "voran und aufwärts" geht, so suchen wir die Schuld bei uns, meinen, wir müssten anders sein - optimistischer, robuster, kämpferischer. Wenn wir nur anders wären - so klingt es immer in uns / in mir -, dann wäre das ganze Leben anders! Dann wäre es immer schön und spannend und gut und aufregend und voller Abenteuer! Dabei könnte es ja wirklich sein, dass die Menschen im Mittelalter der Wahrheit näher waren, und das Leben eher ein Jammertal  als ein Ort der Freuden und des Glücks ist ...

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An Franck W., 14.8.1992

Lieber Franck! Jetzt solltest Du hier sein. Ich mache gerade noch einmal Kaffee. Bis vor 5 Tagen war es hier - sicher 3 Wochen lang -ständig um 30 Grad oder wärmer, für unsere Verhältnisse also sau heiss! Seit Beginn dieser Woche sind die Temperaturen nun immer zurückgegangen und heute Abend ist's fast Winter! Ich jedenfalls sitze hier mit meinem Pulli und fröstle leicht ... Überhaupt ein seltsamer Tag bis jetzt! –

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An Franck W., Anfang August 1989

Lieber Franck! Deine Stimme klingt noch immer nach in mir; ich höre Dich seufzen, höre die Mischung zwischen Trauer, Resignation, Müdigkeit und hilflosem Lachen in Deinem "'s goht" und Deinem "'s isch nid licht zämme! Godverdeggel nomol". - Ich hoffe natürlich, dass Du auch wieder Mal mit mehr Wind in den Segeln, mehr Power im Herzen über das unruhvolle Meer des Lebens segeln kannst, dass das Auf und Ab des Lebens wieder einmal richtig Freude machst und Du im Aufwärtsschiessen wie im AbwärtsstürzenDeine Kräfte spürst und Dich an ihnen freust! Ja, das wünsche ich Dir. ‑ Ich kann sie  natürlich auch gebrauchen, diese Lebenslust, diesen Lebensmut und Innern Schwung!

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An Franck W., Anfang Dezember 1990

Lieber Franck - o man! Wiedermal ein Tag des Seufzen's, ein zäher, trauriger, leerer Tag wie schon lange nicht mehr! Gestern Abend war Pina hier und hat ein wenig von ihrer Reise, ihren Begegnungen und Erlebnisen erzählt. San Diego ist erst ganz summarisch dran gekommen: 6 Tage einfach sein, mit drei Männern, das habe ihr unglaublich gut getan. Nichts müssen, nicht ständig Action und Rummel, Zeit zum träumen, zum einfach dasein haben etc., das sei sehr sehr schön gewesen. Und in die Wüste habe sie sich verliebt und ein Bisschen offenbar auch ins Massieren.

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An Frederick B.,im Dezember 1990

Lieber Frédéric! Ich weiss nicht mal recht, wie ich Deinen Namen schreiben soll -muss - darf. Du siehst aber, ich mein's gut mit Dir: so viele Akzentlein auf den e's, allerdings "Bächtholdt" wäre vielleicht ein noch überzeugenderes Zeichen meines guten Willens? Also aber jetzt: zur Sache ...

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An Freunde und Familie, im Dezember 1997

Liebe Freunde, liebe Freundinnen, liebe Verwandte und Bekannte nah und fern! Vor zwei Jahren habe ich erstmals einen weihnächtlichen Rundbrief verfasst und in die Welt geschickt, und jetzt, wo es schon wieder mit Riesenschritten gegen Weihnachten und gegen das Jahresende zugeht, will ich dies wieder tun.

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An Freunde und Familie, Indien und Japan, Davis, California, 2. Januar 2006

Liebe Verwandte, liebe Freundinnen und Freunde, liebe bekannte und unbekannte Bekannte! Ihr steht auf der Liste derjenigen Menschen, denen ich hie und da von meiner Reise um die Welt erzählen wollte. Ihr habt euch vielleicht schon gewundert, was mit mir los ist, und sehnsüchtig in eure Computer gespät, ob da nicht vielleicht doch so ein exotischer Reisebericht angekommen ist. Ich kann euch beruhigen. Ihr habt nichts verpasst. Seit Ende Oktober habe ich nicht geschrieben. Dabei bin ich nicht etwa tot oder sonst wie indisponiert, nein, es wollte einfach nicht schreiben, und auch jetzt schreibe ich nur, weil ich es versprochen habe, und weil ich nicht will, dass ihr anfangt, euch meinetwegen Sorgen zu machen.

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An Gilles H. und Hanna M., Portland, Oregon, 1. Mai 1997

Hallo Gilbert! Hallo Hanna! Yes yes, it gives me noch! Heute habe ich einmal einen friedlichen Abend - ohne irgend ein Programm und ohne ganz ko zu sein! Da will ich Euch doch wenigstens ein kurzes Lebenszeichen schicken! Nur? Was soll ich erzählen? Wo anfangen?

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An Gilles H., im Juni 1997, auf dem Atlantik

lIEBER gIL! jA, EIN bRIEF! rICHTIG ALTMODISCH. mIT pÖSTLER, lEDERTASCHE UND sCHWEISFINGER! wIR KEHREN INS mITTELALTER DER kOMMUNIKATION ZURÜCK. nUR MEINE sCHUSSELIGKEIT UND DIE tIPFEHLER BLEIBEN!

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An Hanna M., 22. April 2003

Tut mir leid, dass ich Dich wiedermal so lange ohne Antwort liess. Zu viel anderes war im Weg und hat das Schreiben behindert und auch jetzt schreib ich aus so einer Art Abfallberg der unerledigten Musts und Shoulds heraus.

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An Hanna M., 5. Februar 2001

Hallo Hanna! Ich habe wieder einmal wundersam lange geschlafen ... einfach geschlaaaafen! Weg und fort an anderm Ort! Und jetzt sitze ich mit der ersten Tasse Kaffee an meinem Compi und versuche mir in die Welt zurück zu helfen.

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An Hanna M., Höllstein, Basel-Land, 15. Oktober 1999

O Hanna! So eine Bruchlandung! Ich habe Dein Mail erst heute Vormittag gelesen, da ich wegen Umzug in den unteren Stock für zwei Tage emaillos war. - Jetzt sitze ich in einem fast ZU WARMEN Zimmer - diese Ölheizung kennt offenbar nur eine Temperaturstufe! - und denke ein wenig an Dich dort drunten - soooo weit fort von uns!

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An Hanna M., Immer noch Portland, Oregon, 7. Mai 1997

Liebe Hanna! Es ist wie zuhause am Küchentisch, wenn sie funktioniert, diese moderne Technik. Gestern tat sie es, nur dass ich leider ... naja. Da habe ich Dir voller Freude und in typisch Näfscher Ausführlichkeit geantwortet, hab den Brief dann abgespeichert, weil ich jemanden am Telefon hatte, und dann - als ich Dir meine Ausfürlichkeiten emailen wollte ... waren sie weg. Von der Festplatte verschwunden wie das gute alte Rumpumpelstilzchen ... Wenn einer einen PC hat, dann kann er was erzählen!

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An Hans R., Ende Dezember 1989

Es kommt mir ein wenig so vor, als ob ich mich auf's Altenteil, in's Privatleben zurückgezogen habe, während Du noch "draussen" -"im Leben" - stehst. Ich denke an Dich wie an einen alten Kampfgenossen, mit dem man einiges durchgefochten hat, aber eben: damals war's, ja damals. Was strudelt das Leben uns so unfreundlich weiter!? Nicht einmal Zeit Abschied zu nehmen oder wieder einmal nach dem Andern zu sehen! Zu kucken, was er so tut und denkt und wie es ihm so geht ...

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An Heiner C., Basel, 2. Januar 1999

Lieber Henry Cassirer! Ich beginne das neue Jahr damit, dem langsam zu gross werdenden Berg von Zetteln und Zettelchen zu Leibe zu rücken, die  sich während der letzten Monate auf meinem Schreibtisch angesammelt haben und mich alle an dies oder das erinnern! DA liegt nun auch Ihr Brief vom 29. Oktober, in dem Sie Sich so anerkennend  über den ersten Band meiner Geheeb-Biographie äussern! Sie können Sich sicherlich denken, dass ich mich über Ihre Beurteilung meiner Arbeit, insbesondere des Kapitels über die Cassirer-Familie gefreut habe!

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An Helen N., 8. Dezember 1990

Liebe Helen! Schon lang ist's her, dass ich Deinen Brief von Ende September erhielt. Ich habe mich sehr gefreut, von dir zu hören. Es klingt wirklich wie eine ganz andere Welt -, weit weg von der Ecole, dem Hasliberg, dem Schule geben, dem Esssaal, der Brünigbahn, den Bergen dort oben, den Ställen und Bäumen und Kühen, der Reutistrasse, der Singgemeinde und den Putzpausen.

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An Helmar M., 24. April 1993

Lieber Helmar! Ich habe wiedermal etwas auf dem Herzen, und da's schriftlich besser zu gehen scheint, kriegst Du diesen vermutlich ziemlich überraschenden und auch schwierigen Brief. Vielleicht hilft er, die Verstopfung in der Leitung zwischen Dir und mir zu beheben, denn verstopft scheint mir diese Leitung tatsächlich. Vielleicht hilft er auch nicht.

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An Ingeborg L., im Juli 1991

Liebe Ingeborg! Ich war bis Mitte letzte Woche für 14 Tage weg, in Urlaub. Seit ich wieder hier bin, bin ich am Aufräumen! Die Auswirkungen dieser Tätigkeit wirst auch Du zu spüren kriegen, da ich Dir mit derselben Post die mir geliehene Querflöte zurückschicke. Aber halt mal, eins nach dem andern.

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An Jutta K., 29.5.1992

Liebe Jutta! Bischd gut akomme z'haas? Und jetzt? Wie geht's?

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An Klars A., 13.5.1993

Lieber Klaus! Vom Schlössli Ins habe ich vor einigen Tagen die Broschüre über das Austauschprojekt Magdeburg-Tallinn-Ins erhalten. Ich freue mich, dass diese tatsächlich zu Stande gekommen ist und möchte Dich zu Deiner Tatkraft beglückwünschen. Allerdings bin ich ziemlich ärgerlich darüber, dass Du meinen Beitrag ohne die Nennung meines Namens publiziert hast. Dass mein Name irgendwo (unter "weitere Mitarbeiter" oder so ähnlich) aufgeführt ist, tröstet mich da nicht, denn aus dieser Nennung geht nicht hervor, was ich zu der Sache beigetragen habe.

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An Klaus A, im Oktober 1991

Lieber Klaus! Ich schicke dir euer Papierbüchlein auf den Hasliberg voraus, da ich wohl erst in ca. 4 Wochen wieder einmal bei euch sein werde. Fiorenzo hat mir vor einiger Zeit ein wenig daraus vorgelesen ... Es atmet und strahlt aus, wenn ich mich jetzt daran zurückerinnere, Ruhe: ich sehe Ägypter und Ägypterinnen Papyruse aufschlitzen und miteinander verkleben: eine Schicht längs, eine quer. Dann gehen, stampfen und tanzen sie mit nackten Füssen auf den miteinander verleimten Schichten herum. Warum? Warum sehe ich dieses Bild vor mir? Ich fürchte, so ganz der Wirklichkeit von damals entspricht sie nicht, meine Phantasie ... Dass Papier einmal wertvolles, nur in beschränkten Mengen vorhandenes Material war ist seltsam. Wenn ich jetzt dann zur Post gehe - in einer Stunde vielleicht - so liegt ganz bestimmt wieder ein ca. 10 cm dicker Packen mit Zeitungen, Gratisanzeigern und Werbung auf den Steinstufen vor unserer Haustüre - Papier, das trotz "bitte keine Werbung"-Schildern -hingeworfen wird, das keiner liest und keiner will ... Wenn Papier nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stünde ... Ich werfe ja ein wenig aus dem Glashaus mit meinen Steinen ...

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An Klaus Z. und Barbara M., Anfang Mai 1991

Liebe Ihr beiden oder Ihr lieben beiden ..! Erstaunt war ich, von Euch solche Post zu kriegen: das Projekt einerseits - die Pilgerfahrt nach Assisi - dann die Form Eures Briefes: wer hat Euch denn den ganzen Text so perfekt in alldeutsche Blinden-Kurzschrift umgesetzt?

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An Klaus Z. und Barbara M., im September 1991

Lieber Klaus und liebe Barbara! Ich sitze mitten in ziemlich viel Arbeit - gute, spannende Dinge - und plötzlich über­kommt mich das Bedürfnis, euch beiden einen kleinen Gruss zu schicken.

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An Laurin N., San Diego, Kalifornien, 21. Februar 1997

Lieber Laurin! Habt Ihr einen Globus zuhause - eine Weltkugel, auf der man alle Länder und Kontinente sehen kann, die es auf der Erde gibt? Ja. Dann schau doch einmal, wo ich jetzt bin!

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An Maja O., Basel, 25. 4. 2003

Liebe Maja! Danke für Deine Antwort und für die Nachrichten von Dir. Dass Du Dich in Sachen Öffentlichkeit zurückhältst kann ich verstehen, dass es zu einem guten Teil aus Rücksicht, um nicht zu sagen aus Angst um Eure beiden Buben geschieht klingt beklemmend, macht Deine Absage aber doppelt verständlich. Als durchschnittlicher Mittelstandsmensch und Bewohner einer einfachen Zweizimmerwohnung in der Breite habe ich mich mit solchen Sorgen noch nie herumschlagen müssen – Gott sei Dank.

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An Marthe B., 23. August 1991

Liebe Marthe! Ob Du diesen Brief gleich wegschmeissen, von wegen das "Beleidigtsein"? - Nein: Du tust es nicht! ... Dass ich auch Dir keine Nummer unserer kleinen Alternativschulzeitung geschickt habe, tut mir Leid. Erst nachdem ich zu meiner grossen Überraschung im Gespräch mit Rose vor einigen Wochen feststellte, dass sie von dem ganzen Unternehmen noch gar nichts gewusst hat, habe ich gemerkt, dass ich im April, als ich die Nummer 1 an alle Freunde und Bekannte, die sich eventuell interessieren könnten, verschickte, mein altes Adressbuch ganz übersehen und nur die in meinem P.C. gespeicherten Adressen berücksichtigt habe. ... Nun schau Dir diesen Satz an! Wenn ich als Journalist ähnlich band­würmle, dann wird die Zeitung vermutlich nicht lange leben, ganz nach dem Motto: je länger die Sätze, desto kurzle­biger die Zeitung! Ich hätte Dich natürlich auch beschickt, denn ich kann mir schon vorstellen, dass Dich die Sache interessiert: einmal aus "verwandtschaftlichem Interesse", dann aber doch auch aus Interesse an der Sache. Die Nummer 3, die in ca. 20 Tagen fertig sein wird, sollst Du jedenfalls kriegen! Also, das wäre jetzt so weit geklärt

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An Marthe B., Ojai, Kalifornien, 12. März 1997

Liebe Marthe! Deine verehrte Schwester von und zu Hasliberg hat mir heute verraten, dass Du demnächst Geburtstag hast! 65 Jahre jung! Dabei denke ich immer, dass Du doch nicht viel älter als 40 sein kannst, wenn Du so wach und fragend, halb schüchtern und halb schelmisch in die Welt kuckst! Meine Vernunft weiss natürlich - und sie klärt mich andauernd erneut darüber auf -, dass das mit den 40 Jahren rein mathematisch nicht hinhaut, es sei denn, ich wäre 17, und das kann ich aufgrund der Erfahrungen, die ich jeden Tag mit mir mache, beim besten Willen nicht glauben. Auch besitzt Deine ob genannte Schwester im Allgemeinen  ja einen guten Sinn für Zahlen! So wird es sich wohl um Deinen 56. Geburtstag handeln - vielleicht auch ein Jährchen mehr. In jedem Fall trete ich an, um zu gratulieren!

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An Martin T., 25.10.1992

Lieber Martin! Draussen regnet es inbrünstig und in mir ist's Herbst geworden, furchtbarer düsterer Herbst. Bleibt nur der Trost, dass meine inn'ren Herbste bis jetzt nie lange währten ... und warum soll es dies Mal anders sein!?

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An Martin T., im September 1991

Lieber Martin! Am Horizonte meines Geistes (falls man bei dieser Graumasse überhaupt von "Geist" sprechen darf) - am Horizonte dieses Innern etwas jedenfalls sitzt Du schon seit längerem und baumelst mit den Beinen - Deinen, nicht meinen, klar! Heut endlich raff ich meine Entschlüsse zusammen und schreibe Dir!

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An Mathias B., Basel, 10. Januar 1998

Lieber Mathias! Für die schon wieder fällige Glückwünsche zum neuen Jahr komme ich inzwischen ja etwas spät: Nimm sie halt einfach so - nicht an dieses bestimmte Datum gebunden - entgegen: Als Glückwünsche ohne Grund und zeitliche Begrenzung! Glückwünsche für Dich und Susanne und die Kinder und alle, die Dir lieb und teuer sind!

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An Melanie M., Portland, Oregon, 1. Mai 1997

Melani, carissima! Nein, nein. Keine Mails sind abhandengekommen und verloren gegangen. Abhandengekommen und verloren gegangen bin nur ich - vorübergehend! Die Zusammenhänge zwischen brennenden Häusern und Katamaranen sind mir inzwischen also sonnenklar oder mindestens sonnenklarer als auch schon, und auch die anderen Nachrichten haben den Weg in meinen PC gefunden.

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