Das letzte mal in Afrika? Das letzte mal Reisen?

Vielleicht gibt es nicht ein nächstes mal, vielleicht ... Ich muss jetzt eine traurige Geschichte erzählen, leider, obwohl ich viel lieber eine lustige Geschichte erzählen würde! Es ist die Geschichte meines Umfalls.

Es fängt wie alle Geschichten ganz banal an
Ich war im November 2005 ein zweites Mal in Indien, und anschliessend in Japan – nur 4 Tage! Anfang Januar 2006 war ich in den USA. Ich erinnere mich unter andern daran, dass ich einen Monat in Davis bei Amie verbracht habe. Ich habe acht, zehn oder zwölf Stunden recherchiert anstatt an meinem Buch weiter zu schreiben! Dann habe ich drei oder vier Tage bei Kathy in San Diego, 20 oder 30 Kilometer von Mexiko entfernt, zugebracht. Dann habe ich mich in Ohai, einem alternativen Zentrum der anderen Art, ungefähr in der mitte von San Diego und San Francizco, zum Schreiben zurückgezogen, das heisst, ich wollte mich zum Schreiben zurückziehen, aber wieder hatte die Göttin der Vorsehung anderes geplant!

In San Franzisko wohnte ich mitte März bis mitte April in einem kleinen Hotel, und ja, ich genoss immer wieder das Nachtleben. Tagsüber dagegen war es eher anstrengend. Swischendurch war ich in Eugene und Portland, wo ich unter anderem Lois Diller und Peter Decius besuchte. Dann, an der Ostküste, war ich ein- oder zwei Wochen bei Caty in New York und bei Ken und seiner Frau in Boston.

Im April oder Mai 2006 war ich wieder in der Schweiz. 2007-08 war ich noch einmal für ein Jahr in der Ecole auf dem Hasliberg. Während der Zeit habe ich die Wohnung dem Frank Winter untervermietet. Im April 2008 besuchte mich Vicky aus Indien, und blieb drei Monate, und zwar zwei Monate in der Ecole und einen Monat in Bern oder Umgebung, wo er bei Gilles wohnte. Ich erinnere mich auch, dass ich im 2009 in England und Holand war, wo ich gehofft hatte, ich könnte mit einem VSO-Projekt nach Afrika oder Asien. Aber es wurde nichts daraus. Am Schluss hiess es, dass ich zu Eigenwillig sei, und ich nicht genügend angepasst bin.

Aber sonst? Hachi war da, und wir schipperten fünf Tage den Rhein hinauf. Das war im Sommer 2009. Auch das weiss ich noch, dass wir eine Fahrt mit einem dreirädrigen Wagen machten. Das war 2010. Ich arbeitete sicher auch an August Bilse, der nie fertig wurde, und ich langweilte mich bestimmt auch,

Im Herbst 2010 kündigte ich die Wohnung an der Ramsteinerstrasse, und reiste 2010 - 2011 erstmals wirglich nach Afrika.

Die Reisen nach Afrika muss ich nicht beschreiben, denn das habe ich den Daheimgebliebenen ausführlich geschildert. Vor allem die zweiwöchige Reise mit Moussa in Bugginafaso und Die dreimonatige Arbeit in Uvira (Congo) Ende Januar bis mitte April 2011 gefielen mir sehr.

In der Schweiz sannelte ich darum für die UPP in Uvira Geld, aber nach und nach kamen mir zweifel. Mitte Sebtember 2011 traf ich mich deshalb mit Frank Wolf in Purundi, und zusammen mit Flory und einem sympadischen Mann – ich mag mich im augenblick nicht an den Namen erinnern -, wollten wir herausfinden, wie weiter. Die Besprechung aber ergab, dass es keinen Sinn mehr machte, mich weiter in der Uni in Uvira zu engaschieren; Evangelisation und Uni passten nicht zusammen! Ich verabschiedete mich schweren Herzens von Uvira und den Menschen dort. Vielleicht war das keine gute Idee, denn ich denke immer wieder daran, wie es weiter gegangen wäre, wenn es weiter gegangen wäre! Aber es ist so, wie es ist.

Zurück in der Schweiz musste ich mich zuerst ein bisschen bedauern, aber es gab noch mindestens zwei Projekte, die mich interessierten und in Atem hielten: Im Norden von Congo war eine Schule, die wir unterstützten, und in Uvira gab es eine Schweinefarm, die wir ebenfalls unterstützen wollten. Aber Vorträge gab es im der Zeit nicht, weil ich theoretisch ja fort war.

Ende Januar 2012 war ich wieder in Afrika, zuerst in Mauretanien, dann im Senegal, dann in Gambia und zuletzt im Niger. Vorallem im Niger hat es mir gefallen! Ich blieb ungefähr zwei Monate dort und half Moussa ein erstes Haus zu bauen. Dann kehrte ich mitte Mai in die Schweiz zurück. Vorträge gab es jetzt wieder, nicht viel, aber immerhin. Auch Darsilamano, die wir damals gründeten, beschäftigte mich. Und ich glaube, ich habe mich vom Globetrotter und anderen Zeitungen interviewen lassen. Damals war ich in der Hammerstrasse eingezogen. Dann ging ich, mitte Dezember 2012, wieder nach Niger und blieb zwei oder drei Monate oder länger. . Ich baute mit Moussa und einigen Menschen ein zweites Haus und einen Garten. Wieder war es spannend und auch lustig. Der einzige Termin, den ich aufgeschrieben habe, war im Juni 2013: ich redete in Basel über Afrika. , und zwar jetzt am engaschiertesten von der Schule in Nordcongo.
Es gab noch andere Termine, aber was für Termine das waren, das ist mir entfallen.

Am 27. oder 28. Juli 2013 flog ich wieder in den Niger. Moussa hat mich auch das mal abgehohlt, und wir gingen zuerst wieder in das Dorf Makalundi. In zwei Jahren hatte sich viel getan: Statt einem „Guru“, eine art Baumhütte, hatten wir zwei Häuser, und eine Mauer drumrum! Die menschen haben sich vermehrt. Statt fünf oder sechs Leuten haben wir fünfzehn oder zwanzig Menschen. Alle wohnen nicht hier, aber am Tag sind es viele, zu viele habe ich immer wieder das Gefühl! Wir setzten uns darum oft ab, gingen auf den Markt oder redeten irgendwo im Schatten eines Baumes und rauchten. Die Frauen machten inzwischen Feuer, kochten, schwatzten, gaben sich mit den Kindern ab oder verkauften etwas, denn man hatte etwas zu bieten! . Wasser musste man entweder in der Zisterne holen oder einer kam mit dem Esel und einem Karren und brachte hundert oder zweihundert Liter vorbei. Im Winter schlafen die menschen drinnen. Aber sie haben sich noch nicht ganz entschlossen, wo eigentlich die beste Stelle zum schlafen ist! Überhaupt sind sie im Grunde immer noch ein bisschen Nomaden – gezwunnenermassen oder auch freiwillig!

Umu und drei Kinder wohnen ebenfalls hier, und deshalb haben wir im Winter ein zweites Haus gebaut. . Uhu ist vor einem halben Jahr Witwe geworden, und es gehört sich so, dass der Mann der neu verwitweten Schwester anbietet so lange auf dem Hof zu leben (und zu arbeiten!) bis sie einen neuen Partner findet. Im Winter bauten wir ein bisschen weiter weg zusätzlich eine Mauer und ein Tor, um einen Garten zu haben. Aber Moussas „Freund“ – man ist nicht so wählerisch mit Freunden wie hierzulande! - hatte sich im letzten Moment „verabschiedet“, und die Mauern sind wieder verfallen! Ich war damals wieder im der Schweiz, und das Desaster wurde mir erst jetzt gezeigt. Schade, aber bitte: man muss auch Rückschläge hinnehmen! Die Maur ist zwar ganz hoch, aber ein bisschen breiter müsste sie sein, wenn wir’s nochmals versuchen wollen!

Hirnschlag
Am 9. August haben wir zu mittag gegessen und davon gesprochen, was wir in den nächsten Monaten machen wollten. Jetzt legte ich mich ein bisschen hin, weil ich mich nicht so wohl fühlte. Als ich wieder aufstehen wollte, da ging es zuerst nicht. Ich probierte es ein zweites und ein drittes mal. Endlich stand ich. Aber ganz so normal wie immer habe ich mich nicht gefühlt. Ich ging in das Haus – kein Haus wie in Westeuropa! Ein Zimmer und eine Kammer gab’s, nur abgetrenntvon einem vorhang, das war alles! Ich lehnte mich ein wenig an die Wand und wartete. Die Kinder und die Frauen palaverten in Zimmer und Moussa hatte in der Kammer zu tun. Es musste ungefähr vier gewesen sein. Endlich kam er raus. Ich sagte oder besser wollte sagen, dass wir eine ruhige Ecke suchen sollten und nicht mehr weiter arbeiten müssten, aber komisch; ich konnte mich nicht mehr so ausdrücken wie noch vor einer Viertelstunde. Ich probierte es noch mals, aber es ging nicht. Ich konnte doch französisch oder vielleicht ... Schliesslich Begriff Moussa. Ich konnte nicht mehr sprechen, oder besser: was da raus kam, das machte keinen Sinn mehr. ! Auch konnte ich mich nicht mehr allein bewegen. Moussa oder ein anderer Mensch musste mir helfen, wenn ich irgendwo hin wollte!

Moussa war jetzt wirklich besorgt! Auch Aisha und die anderen mergten irgendwie, dass was nicht stimmte! Eine Hand und ein ffffffuss waren ok, aber die andere Hand und der Fuss? Was war mit denen? Ich fragte die anderen, aber sie verstanden nicht. Ich probierte es nochmals, ohne Erfolg. Sie waren ratlos und traurig. Ich konnte alles mögliche erklären, aber sie verstanden mich nicht.

Moussa holte inzwischen ein Auto, und irdendwie schafften wir es mich in’s kleine Hospital des Ortes zu bringen. Ich musste mich hinlegen. Ich wartete ungefähr zwei Stunden; es geschah nichts. Ich konnte jetzt definitiv nicht mehr reden. Um acht Uhr abends verlegte man mich im Krankenwagen Nach Niame. Moussa war da. Ich war wach. Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte gesprochen oder auch einfach etwas gemacht anstatt zu warten! Ich hätte verlangen können, im Auto zu sitzen anstatt zu liegen! Ich hätte verlangen können, auszusteigen und ein bisschen zu gehen! Moussa hätte zuerst bedenken gehabt, aber er wäre dann ausgestiegen und zusammen hätten wir vielleicht ein paar Schritte gemacht, ja, ein paar Schritte oder mehr! Ich hätte nur den Mut haben sollen, dass alles oder anderes zu tun! Aber ich habe es nicht gemacht, vielleicht aus Rücksicht oder aus Klugheit oder auch weil ich schlicht nicht daran gedacht habe! Ich nahm auch an, dass alles sich wieder einrenken würde. In drei oder vier Wochen bin ich wieder gesund!

Am Freitag 10 oder 11 abends waren wir in Niame, und ich ging wieder ins Spital. Ich glaube, ich war jetzt im Bett. Ich wartete und, da ich nicht mehr sprechen konnte, beobachtete ich die Leute und träumte von diesem und jenem. Moussa und ein oder zwei Menschen waren da und das genügte. . Das Spital war genau das selbe wie im dorf, nur alles viel grösser. Alles oder fast alles musste man sich organisieren: vom Essen und Scheissen angefangen! Einen Artzt habe ich auch nicht gesehen! Aber sonst? Mir hat es eigentlich gefallen!

Am Sonntag Nachmittag hat man mich nochmals in ein anderes Spital gebracht. Nicht in ein Spital wie der Schweiz oder Deutschland, aber anders jedenfalls: Vornehmer und steriler, und, wenn ich es mir genau überlege, dann war es gar nicht ein Spital sondern eher ... ja, was war es eigentlich: Es gab dort Aertzte und Fleger und alles mögliche, aber ich glaube, ich war der einzige patient! Ich musste schon ein bisschen weg getreten sein, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass es noch andere Kranke gegeben hätte! Ich und eine Frau waren oft die einzigen im Raum. Die Frau arbeitete etwas, und ich schlief oder döste! Jetzt begreife ich langsam, was ich nicht mitgekrieckt habe! Ich war nicht tot, aber alles, was nicht ganz wichtig war, ging mich nichts mehr an.

Sie hatten die schweizer Botschaft erreicht und auch Thomas Näf. Aber all das wusste ich nicht oder ich habe es vergessen! Am Montag ist auch Moussa weg! Ich schlafe viel. Jetzt untersucht man mich. Ich kriege nicht mehr viel mit! Irgendwann wache ich wieder auf. Moussa ist da. Wir unterhalten uns ein bisschen. Moussa ist wieder weg. Es ist abend. Schon abend! Moussa ist fort. Ich erinnere mich auch daran, dass ich nicht in die Schweiz wollte. Ich wollte in Afrika weiter leben oder sterben. Aber habe ich das wirklich gesagt oder nur gedacht? Ich weiss es nicht mehr.

Jetzt ist es abends um acht oder halb neun. Ich bin wieder wach. Ich werde in ein Auto gebracht, und wir fahren auf den Flugplatz. Was ich nicht weiss ist, dass alles für mich arrangiert wurde: packen, Pass und Visa ... Ich wusste nichts davon, und jetzt würde man michin die Schweiz fliegen, der einzige Passaschier, gehätschelt und überwacht! Am Dienstag morgen landenen wir auf dem Dach des Uni-Spitals Basel (war es auf dem Dach des Unispitals), wo mich mein Bruder Thomas in Empfang nahm.

Anfänglich war ich fast nicht ansprechbar. Aber nach und nach ist es besser geworden. Jetzt, nach der Epilepsie, kann ich mich nur vage erinnern, was im Unispital und nachher im Rehab geschehen ist. Natürlich war der ältere Bruder Thomas da, auch als Arzt. Dann war der jüngere Bruder Werner, der Hans (der Vater) und Freunde da. Jetzt, wo man mir Stück um Stück erzählt, was ich im Juli 2015 alles vergessen habe, da begreife ich nach und nach, obwohl ich immer wieder erstaunt bin, dass ich das alles vergessen habe.

Georg Mattmüller wollte gerade aus dem Haus, da komme ich im Rollstuhl daher, um einiges – vorallem Kleider – zu holen. Er wusste von nichts. Er hat angenommen, dass ich in Afrika bin! Aber ich bin da, Ende August war das. Ich kann eigendlich nicht sprechen, aber er begreift ohne zu begreifen, und holt die Kleider. Ein anderes Mal ist der Sämi Jenzer da. Er hatte von Werner gehört, was mit mir passiert ist, und anfang September 2013 besucht er mich, obwohl wir uns das letzte mal vor 40 Jahren in der Schuhle gesehen haben! Ich bin erstaunt, denn nach der Epilepsie
Kann ich mich nur noch schwach erinnern. 40 Jahre? Auch Andres erzählt, dass er einmal in der Woche dagewesen ist, wie er gehört hat, dass ich im Rehab sei, anstatt in Afrika. Frank Wolf aus Paris, Bea und Esther aus Basel, Gilles und Hermann aus Bern kamen auch. Aber ich weiss nur aus dem, was man mir nach der Epilepsie erzählt hat, was alles gewesen ist.

Mitte September, ich war jetzt ungefähr drei Wochen in der ReHaB, lud man die Angehörigen und mich zu einen Gespräch ein. Man diskutierte auch darüber, was man nach der Rehab machen wolle. Man sprach immer wieder meinen Bruder Thomas an, anstatt direkt zu mir zu sprechen. Ich habe mich gewehrt, aber es war nicht leicht, mich zu behaupten. Ich kann es noch heute nicht, wenn man nicht gelegentlich ein bisschen wartet, um mir Zeit zu geben, das zu formulieren, was ich meine.

Ein- oder zweimal besuchte mich Johanna Marti, mit der ich für mehr als 20 Jahre gearbeitet habe. Ein anderes mal stürtzte ich. Ich rappelte mich auf, obwohl der Sämi da war und helfen wollte. Auch Werner hat erzählt, dass ich in der Rehab gestürzt war. Ich nehme an, dass es noch einige Stürze gab, aber bis jetzt hat es mir niemand gesagt.

Ich war erst im Rollstuhl, und dann – peux a peux –, konnte ich wieder ein bisschen Gehen -, natürlich nicht wie vor dem Schlaganfall und immer mit Begleitung. Sämi und ich sind zum Beispiel zum Tramm 3 und zurück spatziert. Auch da Bin ich fast sicher, dass ich das mehrere male gemacht habe, aber man muss nicht angeben, wenn es nicht nötig ist.

Auch die Sprache wurde ein bisschen besser, allerdings französisch war noch ganz schlecht, aber ich wollte wieder nach Afrika! , und zwar jetzt. . Alle oder fast alle waren dagegen, aber ich setzte meinen Willen durch, und ich ging anfang Dezember wieder in den Niger. Natürlich nahm ich den Rollstuhl mit. Ich bin von Basel nach Paris gefahren, weil ich unterwegs Frank besuchen wollte. Zwei oder drei Tage habe ich in Paris zugebracht, und dann hat mich der Frank auf den Flugplatz gebracht. Der Moussa holte mich in Niame ab. Das war im Dezember 2013.

Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt wieder in die Schweiz zurück wollte, aber die Angst machte es schnell klar: Ich konnte eigentlich noch kaum laufen und sprechen, und da machte ich mich schon wieder auf die Reise? Nein! Ich musste zurück in die Schweiz! Also verabschiedete ich mich von Moussa und den anderen schweren Herzens und kam zwei Wochen später wieder in die Schweiz zurück.

Die Weihnachten verbrachte ich mit der Familie in Zweisimmen. Anfang Januar 2014 wohnte ich bei Urs und Pina, und natürlich auch mit dem Viviano, damals war er umgefähr fünf. Dann zog ich zu Georg in die Spalentorstrasse. Er hatte genügend Platz, da die krossen kleinen alle ausgeflogen waren. Nein, ich glaube, eine Tochter war noch zuhause, aber ich hatte nur wenig kontakt mit der Frau.

Sterben oder ... Malaria
Ich wollte ganz viele Therapien machen, wieder besser sprechen lernen, viel Spatzieren gehen usw usw! Aber mitte Januar 2014 bin ich statt dessen krank geworden, und zwar kräftig! Ende Januar war ich wieder im Rollstuhl. . Am 10. 2. konnte ich nicht mehr, und ich ging wieder – unterstüzt von Georg - ins Spital! Ich selber kann mich nicht erinnern, aber ich glaube, die PUKK war’s, besser bekannt als Psychiatrie von Basel. Damals habe ich nur noch vom Sterben gesprochen. Roswitha war in der Zeit viel da, und auch da war das Tema vorallem sterben! Ich erinnere mich auch, dass ich telephonierte und ein Gespräch mit Ecsit hatte, und Frank und ich gingen zweimal ein Hospiz anschauen. Im Januar war ich zwar drei mal von verschiedenen Aerztên aufgeboten worden, aber sie interessierten sich mehr für meinen Kopf, und ich kam nicht auf die Idee, ich könnte auch noch ein anderes Problem haben.

Am 10. Februar begleitete mich Georg in die PUK. Im Spital untersuchten sie mich gründlicher und nahmen mir auch Blut ab. Ich hatte Malaria! Ich wusste es auch darum nicht, weil ich nie Fieber hatte. Da hätten sie vielleicht eher gewusst, was Sache ist. Sobald ich verstanden hatte, was ich hatte, kehrte mein Lebenswille zurück: Sie haben mir drei mal am Tag Medikamente verabreicht, und ich wollte wieder Leben! Anfang März ging ich nocheinmal einen Monat in die REHAB Basel, denn ich war noch schwach, aber den Rollstuhl brauchte ich weniger und weniger.

Es könnte doch so schön sein!
Ende März wurde ich entlassen. Im September zog ich in eine eigene Wohnung. Ein Jahr später hatte ich Epilebsie, darum erinnere ich mich nicht mehr ganz, was war. Zu Beispiel die Wohnung! Ich glaube allen, dass ich die Wohnung habe, aber ich selber erinnere mich nicht mehr! Dass war eine paragokse Situatiom!

Aber zurück zum Sommer 2014: Ich konnte wieder gehen; auch den Rollstuhl brauchte ich nicht mehr. Mein Bruder Thomas gab ihn im Juni zurück. Jetzt machte ich Therapien und spazierte in Begleidung von Freunden und Bekannten, manchmal zwei drei oder fünf Stunden! Das Leben fing wieder an, Spass zu machen. Milo, Andres, Frank und andere waren mit von der Partie. Auch traute ich mich wieder alleine auf die Strasse! Ja, alleine! Ich konnte wieder Stocklaufen.

Ich kann mich erinnern, dass ich im Sommer auch den Barfüsserplatz oder die Schützenmattstrasse überquert habe und zwar alleine!, wenn ich zur Therapie musste, und – eine andere Leistung: ich konnte ohne Begleitung die Breite in Basel finden und ein anderes Mal ging ich stocklaufend zu Sämi und Ursula nach Rodersdorf. Die Sprache ging noch schlecht, das machte mich zwischendurch traurig, aber ich glaubte, ich war auf dem Weg der Besserung.

Im November 2014 machte ich ein erstes Mal ein Fest oder ein „Festlein“. Ich sagte damals, dass ich wieder auferstanden sei! Man könne wieder mit mir rechnen! Und zwei Tage danach brach ich mir das Bein! Erst konnte ich wieder aufstehen und ich nahm an, dass es ein Sturz war wie es immer wieder vorkommt. Ich duschte und zog mich an. Aber zwei Stunden später konnte ich den rechten Fuss nicht mehr belasten: Ich konnte zwar stehen, aber ich konnte keinen Schritt mehr machen! Man hat das Bein drei Tage danach gerönkt aber nichts gefunden. Ich war wieder im Rollstuhl! Ich war deprimiert und wollte nichts mehr unternehmen. Die Ärztin hätte insistieren müssen, aber sie hat nicht insistiert. Schade! Sie hätte mich zu weiteren Untersuchungen schleppen müssen, wenn’s nicht anders gegangen wäre!

Wieder bergab
Im Dezember bin ich zwei Tage im Spital gewesen, aber anstatt zuerst noch einmal das bein zu rönken, hat man gedacht, ich hätte noch einmal einen Schlaganfall gehabt. Man hat wieder nichts gefunden. Im Januar 2015 musste oder wollte ich vier oder fünf Wochen in die REHA Rheinfelden, eine ähnliche Institution wie Basel: Therapie ist im Vordergrund, nicht Untersuchungen oder Operationen. Man kommte mir auch dort nicht helfen. Zum Schluss riet mir einer von den ärzten trotzdem, wenn ich wieder in basel bin, nochmals das Bein zu untersuchen. Das habe ich gemacht und – at last! Man hat etwas gefunden: Das Hüftgelenk ist entzwei oder eher entdrei oder vier! Man hätte es nur noch einmal zu rönken brauchen, und zwar nicht in der eigenen Praxis, sondern in einem auf diese Dinge spezianisierten Ort, dann hätte man es ganz bestimmt gesehen. .

Man hat mich am 18. März 2015 operiert und ein neues Hüftgelenk reingesetzt. Einen Monat später bin ich gegangen, zwar zuerst nur fünf oder zehn Schritte, aber nach und nach erweiterne ich das Programm bis ich auch ausserhalb des Hauses eine halbe oder dreiviertel Stunde gehen konnte – natürlich immer mit Begleitung, aber immerhin!

Dann plötzlich ging wieder nichts mehr! Ich war wieder im Rollstuhl ... Das war Mitte oder Ende Mai. Ende Juni ging ich zum Jürg Benedetti, ein Freund und ein Neurologe, der mich nochmals untersuchte. Ich bat ausdrücklich darum, einen Spezialarzt zuzuziehen. Aber damals wusste ich das nicht mehr, weil ich zwei Wochen danach einen Epianfall gekriegt habe – ausgerechnet an meinen 60. Geburtstag!

Ich nehme an, dass ich irgendwann in der Nacht vom 6. Auf den 7. Juli ohnmächtig wurde. Ich war allein zuhause, und Milo und ein Therapeut fanden mich am nächten Mittag.

Vor dem Anfall – ich glaube am 2. Juli – haben wir in der Familie meinen Geburtstag gefeiert; dann konnte ich merkwürdicherweise wieder ein mal laufen, dass behauptet jedenfalls der Thomas, mein älterer Bruder. Der Andres war am 6. Juli bei mir. Ich glaube, ich war damals wieder im Rollstuhl. am Abend ging er heim. Aber ich kann mich eigendlich nicht mehr erinnern, wenn mir der Thomas oder der Andres und andere nicht nach dem epileptischen Anfall geholfen hätten wenigstens einige Erinnerungen zurück zu kriegen. Ja, ich erinnere mich im Grunde jetzt erst nach und nach, was ich vergessen habe.

Exkurs: Die Augen
Die Augen! Ich habe die Augen noch nie vermisst, aber jetzt vermisse ich sie - nicht wirglich, aber ich denke immerwieder darann, wie es wäre, wenn ich die Augen hätte. Ich könnte mich viel besser bewegen, ich könnte mich im Raum viel müheloser orientieren, ich könnte durch den Raum gehen, weil ich ein Organ mehr hätte, ich müsste mich in der Küche nicht mehr immer und immer wieder vergewissern, das ich die Tasse wirklich da habe, wo ich sie vermute, ich könnte an den Tisch gehen ohne dass ich fürchten muss ein bisschen von der geraden Linie abzukommen, vielleicht nur einen Centimeter, aber eben, auch ein Centimeter ist ein Centimeter! Man erinnert sich: Rechts ist der Arm gelähmt und auch das Bein ist nur ganz knapp zu gebrauchen.

Eine Tasse Kaffee zu trinken, das geht. Aber einzuschenken ist schon schwieriger. Im Bad ist es ähnlich. Die Zähne zu putzen geht, aber wenn mir etwas auf den Boden fällt und ich mühsam nach dem heruntergefallenen taste, dann wird es schwieriger, weil ich nichts sehe oder anders: Ich sehe viel, aber das eine finde ich nicht. Es hat sich in Luft aufgelöst. Und wenn ich aufgebe, dann zeigt sie sich vielleicht in eben der Ecke, wo ich gesucht habe. Allerdings kann es auch sein, dass es eine andere Ecke ist oder sie gar nicht herunter gefallen ist. Alles das müsste nicht sein, wenn ich die Augen hätte, aber ich bin blind!

Noch schlimmer wird es dann, wenn ich mich draussen bewege. Ich kann noch gehen, langsam und immer zu zweit, das heisst, einer muss mich führen, sonst geht es nicht mehr. Im Rollstuhl werde ich geschoben, das ist bequem ; jetzt geht es schneller, aber ich bin noch mehr auf die Menschen angewiesen. Ich muss nichts mehr machen. Ich bin erleichtert, aber auch ein wenig traurig. - Wenn ich Augen hätte, dann könnte ich mich in einen Elektro-Rollstuhl setzen und ich würde mobiler. Ich wäre wesentlich schneller als die Fussgänger, jedenfalls wenn die Strassen einigermassen dem standard der Schweiz entsprechen. Ich könnte gehen und kommen wenn ich lust hätte. Und natürlich könnte ich auch laufen, langsam und mit einem Stock, aber es ginge! .

Ja, es ist nicht so leicht das alles zu akzebtieren. Wenn ich könnte, dann würde ich mir ein anderes Leben wümschen. Ein bisschen schneller laufen, ein klitzekleines bisschen Sehen, ein bisschen besser Schreiben, ein bisschen schneller Reden ... Ddann wäre es erträglich? Vielleicht, aber erstens ist es so wie es ist und zweitens ist es auch spannend, nicht immer, aber immer wieder!

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